mydose AG

mydose AG, Neuendorf

  1. «Wir bewegen uns in einem Wachstums- und nicht in einem Verdrängungsmarkt», sagt Isabelle Mahrer, Geschäftsführerin der mydose AG.
  2. Die Blisterbeutel sind mit allen notwendigen Angaben beschriftet.
  3. Blisterrolle mit Box
  4. Auf dieser Blisteranlage werden die Medikamente in Blisterbeute verpackt.

Wenn man Maschinen die Pillen für Patienten sortieren

Das Jungunternehmen mydose AG in Neuendorf hat sich auf das maschinelle Rüsten und Abpacken von Medikamenten in Schlauchblister spezialisiert. Das Potenzial in diesem Wachstumsmarkt wird als hoch eingestuft.

Beim Besuch von Angehörigen in Alters- und Pflegeheimen ist die Chance gross, mit Medikamentencocktails visuell in Kontakt zu kommen. In Dosen oder Schalen liegen die Arzneien bereit zur Einnahme.  Diese wurden zuvor vom Heimpersonal in aufwendiger Handarbeit individuell für jeden Patienten gerüstet. Und die Mengen sind gewaltig. Eine Bewohnerin oder ein Bewohner über 65 in einem Pflegeheim erhält im Durchschnitt 9,3 Medikamente gleichzeitig pro Tag. Dies zeigt eine auf Zahlen der Krankenkasse Helsana basierte Studie.

Das mühsame und auch fehleranfällige Rüsten der Medikamente kann auch anders erledigt werden. Zwei initiative Apothekerinnen haben deshalb im Frühling 2014 die mydose AG in Neuendorf gegründet. Das Jungunternehmen ist auf das maschinelle Rüsten und Abpacken der Medikamente in Schlauchblister spezialisiert. Im Fachjargon nennt sich das patientenindividualisierte Verblisterung. Neuland wurde damit nicht betreten, wie die heutige Geschäftsführerin, Isabelle Mahrer, bemerkt. Was in anderen Ländern schon Alltag ist, verbreitet sich allmählich auch in der Schweiz, mehrere Blister-Dienstleister sind am Markt.

Verblisterung – ein Wachstumsmarkt

„Wir bewegen uns in einem Wachstums- und nicht in einem Verdrängungsmarkt“, sagt Mahrer. Deshalb schätzt sie das Potenzial – auch für Firmen im Start-up-Modus - als hoch ein. Die Heime würden zukünftig unter einem Fachkräftemangel leiden. Mit der Dienstleistung der Verblisterung könne den Pflegeinstitutionen die zeitaufwendige Routinearbeit abgenommen werden. Dem Personal verbleibe mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe, der Pflege und Betreuung von Patienten und Patientinnen. Zudem steige die Zahl der älteren Menschen an, was unter anderem zu vermehrter Langzeitmedikation führe. Schweizweit würden heute über 1500 Pflegeheime mit gegen 100'000 Plätzen betrieben. Und auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steige, welche durch Spitex-Organisationen betreut werden.

Zudem könne mit der Verblisterung die Fehlerquote bei der Medikation gegenüber dem manuellen Rüsten gesenkt werden, was die Nachfrage ebenfalls wachsen lasse. „Eine hundertprozentige Sicherheit kann zwar nicht garantiert werden, jedoch arbeiten wir stetig an einer Qualitätsverbesserung“, versichert Mahrer. Um die höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten, sei die mydose AG von der Schweizer Aufsichtsbehörde Swissmedic zertifiziert. Hochgehalten werde wegen den sensiblen Patientendaten auch der Datenschutz. Das Personal unterliege deshalb der Schweigepflicht.

Starke Umsatzentwicklung

Der bisherige Geschäftsgang belege das Potenzial. 2016 habe sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, 2017 sei er um 70 Prozent gestiegen und für 2018 habe man ein Plus von 30 Prozent budgetiert. Die mydose AG beschäftigt derzeit acht Angestellte, Tendenz steigend. Das Jungunternehmen ist im Besitz der Apothekengruppe Rotpunkt Pharma AG, dem Pharmagrosshändler Voigt AG sowie 65 unabhängigen Apothekern. Wegen dieser Eigentümerstruktur sei auch die Standortwahl auf Neuendorf gefallen. Dort betreibt nämlich die Pharmagrosshändlerin Voigt ein Verteilzentrum, in welchem mydose eingemietet ist, sagt die 51-jährige Geschäftsleiterin.

Die Kunden sind Apotheken. Diese übermitteln die patientenbezogenen Daten auf elektronischem Weg zu mydose. Die Konfektionierung erfolgt auf zwei Blisteranlagen. Diese Automaten sind mit unzähligen Kanistern bestückt, jeder mit einem anderen Medikament gefüllt. Durch einen Trichter werden die Blisterbeutel im richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Medikament abgefüllt. Jeder einzelne Beutel ist mit allen notwendigen Angaben wie Name und Geburtsdatum des Patienten, Name der Pflegeinstitution, Medikamentenname sowie Anzahl und Farbe der Tabletten, Zeitpunkt der Einnahme und einem Strichcode für die Verfolgbarkeit versehen. Nach der Auslieferung der Schlauchblister an die Apotheken sind diese für die Weiterverteilung an die Heime oder an zu Hause wohnende Patienten besorgt. Die Kosten für die Dienstleistung würden in der Regel von den Krankenkassen übernommen, sofern der Arzt dem Patienten mindestens drei unterschiedliche Arzneimittel verordnet hat.

Text: Franz Schaible (im Auftrag der Wirtschaftsförderung)